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Donnersstag 11. Juni

Goethe als Augenmensch
oder über den Zusammenhang von Wahrnehmung und Denken

Referent: Dr. Wolfgang Thorwart

Goethe  hat sich selbst als Augenmensch bezeichnet. Das Auge war ihm das wichtigste der Sinnesorgane – und zwar mit der Begründung, dass es der theoretischste aller Sinne sei. Für Goethe ist es insgesamt charakteristisch, dass er die Sinnlichkeit und das Denken des Menschen nicht trennen will. Für ihn gilt: Sehen und Denken bilden eine Einheit.  Keine Sinneswahrnehmung ohne geistige Denkkategorien, kein Denken ohne sinnlichen Stoff (hier liegt der Grund, warum Goethe der Mathematik Zeit seines Lebens reserviert gegenüberstand). Weil das Sehen selbst theoretisch ist, kommt Goethe zu dem Ergebnis: Welche Denkformen man besitzt, entscheidet darüber, was man mit seinem theoretisch vorgebildeten Augensinn an der Natur und ihren Gegenständen erkennt. Im Wechselprozess von Sehen und Denken erarbeitet sich der Mensch im Laufe seines Lebens ein vertieftes Verständnis der Natur.

 

Donnerstag, 14. Mai 

Karl Jaspers

Referentin: Beate Himmelstoß

„Für die Gottlosen ist er ein Gläubiger, für die Gläubigen ein Ungläubiger, für die Rationalisten ein Mystiker, für die Mystiker ein unentschiedener Vernünftler.“             Jeanne Hersch

Karl Jaspers (1883-1969) war ein Philosoph, der nicht so recht in die Strukturen der wissenschaftlichen Philosophie paßte, dafür aber großen Anklang bei selbständig denkenden „Normalmenschen“ fand. Ursprünglich Psychiater, führte er in die Wissenschaft die Kategorie des einfühlenden Verstehens ein und wandte sich gegen die Ausschließlichkeit empirisch-rationalistischer Methoden. Ihm ging es zeitlebens um den selbständigen Menschen, der sich vom bloßen Dasein aufschwingt zum „Selbstsein“ – dabei helfen ihm die großen Philosophen. In der Nachfolge von Spinoza, Kant, Hegel, Kierkegaard und Nietzsche plädierte er für eine Ethik der Freiheit und der Liebe. Als Drehscheibe des geistigen Aufbruchs der Menschheit sieht er die Zeit zwischen 800 und 300 vor Christus, für die er den Begriff „Achsenzeit“ geprägt hat – zu dieser Zeit kam es weltweit zur Ablösung von den Naturgottheiten, zur Entwicklung universaler Werte und zur Entdeckung des Menschen als eigenverantwortliches Wesen.

Donnerstag, 16. April 2015

Dr. Gerhard Engel

Was ist zeitgenössischer Humanismus? 

Dr. Gerhard Engel vertritt den modernen evolutionären Humanismus, eine handfeste philosophische Richtung, die im Gefolge von Julian Huxley Fragen von zentraler Wichtigkeit stellt: 

1. Hat der Mensch eine „Sonderstellung“ im Reich der Lebewesen? Worin besteht sie? Oder maßt er sie sich nur an?

2. Wie sollen wir leben? Gibt es dafür universell gültige Maßstäbe, oder sind sie immer relativ zu einer bestimmten Kultur?

3. Muss man als Humanist auch Religionskritiker sein?

4. Wie wird die Zukunft des Menschen aussehen angesichts der Entwicklungen in Wissenschaft und Technik? 

Der Vortrag führt entlang der genannten vier Fragen in die Konzeption des „Evolutionären Humanismus“ ein, wie sie der englische Biologe und UNESCO-Mitbegründer Julian Huxley um 1960 entwickelt hat, und erörtert Möglichkeiten, wie seine Konzeption sachangemessen modernisiert werden kann. 

Dr. Gerhard Engel 
ist 
Präsident der Humanistischen Akademie Bayern und Mitherausgeber der Zeitschrift "Aufklärung und Kritik"

Zeitgenössischer Humanismus

 

Donnerstag, 19. März 2015

Peter Erlenwein  

Peter Erlenwein stellt sein neues Buch vor: Und sah die Himmel offen. Eine Schrift für all jene, die an einer Spiritualität des 21. Jahrhunderts interessiert sind, welche sowohl religiöse Dogmatik als auch materialistisches Ödland transzendiert. Ein spannender Wegweiser für jeden Leser, der jenem SPIRIT, der weht, wo er will, immer wieder auf die Spur gekommen ist und  damit der Ahnung einer umfassenden geistlichen Wirklichkeit: weg vom (monotheistischen) Beharren auf ‚meinem‘ Gott als auch vom fundamentalistischen Mehr-Wertdenken, das die Erde weitgehend der Zerstörung preisgibt. Somit ist das Buch mit seinen vielen Stimmen eine Kontemplation  des Großen Wandels heute:  ein schöpferischer Ansatz, die fatalen Brüche zwischen religiöser Tradition und säkularer Postmoderne zugunsten einer Zweiten Aufklärung (Wilber) zu überkommen- anhand der Schilderung faszinierender Lebensentwürfe und Projekte. Ziel dieser ist eine radikal weltoffene (christliche) Mystik mit ihrem unsichtbaren Potenzial von Verwandlung.

Donnerstag 12. Februar 2015

Ernst Friendrich Lauppe

Der Universalienstreit - die platonische Teilhabe, Wahnsinn und Besessenheit 

Warum verstehen wir das Mittelalter nicht? Unser Verständnis reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, Texte aus der Zeit davor verstehen wir kaum. Die Grenze ist durch den Universalienstreit gekennzeichnet, der zweihundert Jahre lang tobte. Begriffe sind Namen, behauptete die Seite, die sich durchgesetzt hat – so denken wir heute. Begriffe sind wesenhaft und real, sie existieren wie Geister, sie sind sogar teilweise Geister – so die alte Zeit. Wir werden an diesem Abend an Hand einfacher Beispiele versuchen, in das alte Denken einzusteigen. Wir werden verstehen, was die leichte und dialogische platonische Teilhabe ist, wie Besessenheit zu Stande kommt und was es mit dem Wahnsinn in den alten Zeiten auf sich hatte. Wenn wir das verstanden haben, besitzen wir den Schlüssel für das Verständnis der alten philosophischen Texte, wie die der Gnosis (Hermes Trismegistos).  

Donnerstag, 15. Januar 2015

Dr. Marco Burgert

Über das Denken

Denken gilt seit altersher in der Philosophie als das, was uns als Menschen ausmacht. Wie keine andere Wissenschaft dreht sich die Philosophie um die Frage nach dem Denken, was sein Wesen ausmacht. Wie haben wir nun dem gegenüber die Ansprüche etwa der Kognitionswissenschaft oder der Neurowissenschaft zu beurteilen, die sich als neue „Fachleute“ zu diesem Thema aufzubauen scheinen? Kann die Philosophie, wenn sie sich nur als eine Wissenschaft neben anderen verstünde, zu dieser Frage wirklich umfassende Antworten vorbringen? Ein weitere Thema an diesem Abend wird sein: Ist Denken eine Eigenschaft, ein Potenzial des Menschen oder ist es genuin in seinem Wesen verankert? Die Vermutung drängt sich auf: die verschiedenen Zugänge fassen das Denken nur von einem Teilaspekt her und kommen so nicht dem nahe, was Denken im Kern ist, sondern verabsolutieren nur eine Sichtweise. Die Einheit des Ganzen zu bedenken, das sollte aber nach wie vor die Hauptaufgabe der Philosophie sein!

Der Vortrag und die anschließende Diskussion sollen dem Versuch dienen, das Denken aus eben diesem ganzheitlichen Denken heraus philosophisch zu betrachten.

Donnerstag, 11. Dezember 2014 

Hellmut Bölling

Dichterphilosophen - Rilke, Hölderlin, Novalis 

Wenn wir sagen: „ Dieser Wein ist ein Gedicht“, dann drücken wir damit beiläufig auch eine große Wertschätzung für die lyrische Textform aus. Offenbar wird bei diesen - meist - kurzen Werken in vielen Menschen etwas bewegt. Wir stellen die Frage:  In welchem Verhältnis steht die Lyrik eigentlich zur Philosophie? Werden durch gelungene dichterische Sprachbilder und intensive Stimmungen auch die Werte eines Menschen beeinflusst? Am Beispiel von Texten der drei großen deutschen Lyriker Rilke, Hölderlin und Novalis vorgetragen mit der magischen Stimme von Beate Himmelstoß- wird unser Theologe auch die Transzendenz ihrer Aussagen und -skizzenhaft- die dahinterstehenden Weltbilder erläutern.  

Donnerstag, 13. November 2014  

Ernst Friedrich Lauppe

Anaximander

Von Anaximander stammt die erste vollständige Philosophie: und sie besteht aus nur einem Satz. Der Satz ist so alt (7.Jahrhundert vor Christus), dass wir an ihm die alte Welt erkennen können. Die Welt, wie sie vor Platon und Aristoteles ausgesehen hat und - natürlich - auch vor Kant. Die erste Philosophie wandert auf dem Grat, von dem aus man in unsere neue Welt und zugleich in die alte Welt der Mythen blicken kann. Heidegger hat an Anaximander und anderen Vorsokratikern gezeigt, was Platon, Aristoteles und in ihrem Gefolge die ganze abendländische Philosophie weitgehend ausgemerzt haben: Das Fließen und das Nicht-Materielle. Denn nur mit Begriffen, die den Geist austreiben und den Fluss aufhalten, kommt man zur Fähigkeit, Maschinen zu bauen. Das ist das Geschick der europäischen Menschheit (Heidegger). Jeder Mensch kann heute so denken lernen. Das heißt aber auch, dass wir nun wieder in die Betrachtung des Fließens zurückkehren können, weg vom materialistischen Denken. Die alte Philosophie des Anaximander zeigt die umfassende Bewegung, vergleichbar mit Yin und Yang, sie zeigt den Fluss.

Donnerstag, 16.Oktober 2014 

Dr. Hermann Schlüter und Beate Himmelstoß

Leben, Liebe, Freud und Leid – Clemens von Brentano und Heinrich Heine

Romantik und Ironie waren die beiden literarischen Antworten auf die strenge Kritik der Aufklärung und die "übermenschliche" Philosophie des Deutschen Idealismus. Bei Clemens von Brentano (1778 – 1842) und Heinrich Heine (1797 – 1856) korrespondiert diese philosophisch-politische Spannung mit der Tragik des individuellen Lebens und hat sowohl in hochemotionalen Gedichten als auch in philosophischen und religiösen Überlegungen ihren Niederschlag gefunden. Nach der Enttäuschung über den einseitigen Rationalismus der Aufklärung kommt es zu einer Renaissance des Mythischen und Geheimnisvollen – bei Heine ironisch, bei Brentano tragisch, bei beiden romantisch. Es geht um die großen Gefühle und um die Phantasie, die Nachtseite des Lebens, das „Andere“ der Vernunft. Während Heine die Kluft zwischen Geist und Grobheit, poetischer Sehnsucht und prosaischer Realität thematisiert und analytisch-spöttisch aushält, wird Brentanos Ton immer dunkler, bis er in religiöser Leidensmystik versinkt. Damit repräsentieren die beiden Dichter auch die beiden Wege der enttäuschten Romantiker – nach links in Abgeklärtheit und beißende Gesellschaftskritik oder nach rechts in Leidensernst und religiösen Mystizismus.